Beim Blättern (18) • Von wegen farblos
Schwarz auf weiß
Wie? Nicht in Farbe? Comics ohne bunte Bilder? Hielten und halten manche für eintönig. Zu Unrecht. In Schwarzweiß zeigt sich pur und unverstellt die Güte des Gezeichneten. Strichführung, Schattentechnik, Gestaltung und Gewichtung der Panels – die Anatomie der Seiten.
Superhelden (und nicht nur sie) bringt der Bildschriftenverlag (bsv) vor rund sechzig Jahren zunächst schwarzweiß auf den Markt. Kein orangenes Ding, keine blaurote Spinne, keine grüne Laterne. Das spart Druckkosten. Erst Williams veröffentlicht durchgängig in Farbe (zudem handgelettert wie die Originale und in flapsiger Übersetzung). Vergleicht man die Ausgaben, ist das in vielerlei Hinsicht aufschlussreich.
Ab den 1970ern ist Farbenfrohes die Regel. Außer im aufkommenden Genre der Erwachsenencomics. In Schwarzweiß macht Schreiber & Leser hiesige Leser mit Milo Manara bekannt (»Das große Abenteuer« 1980, »Der Affenkönig« 1983). Auch der Volksverlag traut sich – im Magazin
Schwermetall
wie in den Alben. Siehe
»Die luftdichte Garage«
von Moebius
(Volksverlag 1983). Die unkolorierte Fassung feiert das meisterliche Spiel mit Stilen und Licht, das der Franzose in der
Garage pflegt.
Ein sehenswertes Beispiel aus jüngerer Vergangenheit ist
Alessandro Barbuccis Sky Doll.
Die feine Feder des Italieners, der Detailreichtum seiner Zeichnungen – in den Skizzenbänden »Doll’s Factory« (Carlsen 2003) und »Sudra« (Splitter 2014) lassen sie sich bestaunen, Entstehungsprozess inklusive.
Zartschimmernd erscheint die Welt von Sky Doll Noa. Ob in der Bleistiftfassung (oben) oder in der unkolorierten Tuscheversion (unten).
Was nicht bunt ist, ist farblos? Von wegen. Schwarz auf weiß entfalten Comics eine eigene Anziehungskraft – sie geben den Blick frei auf das Können der Zeichner.
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