Im Netz (7) • Gekürzte Fassungen
Fhlt d ncht ws?
Mordlust flackert in ihren Augen. Blutüberströmt durchbricht Rodericks Schwester die verriegelte Tür, eine Untote, die den Untergang des Hauses Usher besiegelt. Zu sehen freilich ist das in der deutschen Ausgabe nicht. Bastei streicht die Szene aus seinem »Edgar Allan Poe«-Album. Kein Einzelfall. Geschichten zu kürzen, ist in den 1970ern und 1980ern gang und gäbe. Auch unter Verlagen wie Williams und Ehapa.
Was nicht passt, wird damals passend gemacht. Mal aus Formatgründen, mal aus pädagogischen oder sonstigen Bedenken. In der Reihe Gespenstergeschichten präsentiert bringt Bastei 1986 »klassische Gruselstories« des US-Schriftstellers Edgar Allan Poe (1809-1849) heraus. Gezeichnet von einem Star des Metiers – »gemalt«, so Bastei, »von Richard Corben«. Für das Titelbild gilt das allerdings nicht.
Corbens Originalmotiv ist den Verantwortlichen zu schaurig. Sie geben beim türkischen Illustrator Ertugrul Edirne ein neues in Auftrag (mit einer hübschen Schreckgestalt, bitte) und fummeln am
»Untergang des Hauses Usher«. Das blutige Finale mit der untoten Schwester werfen sie raus, Panels montieren sie neu. Poes berühmte Schauergeschichte in der Kurzfassung: Erst hämmert es an der Tür, dann fällt das Gebäude in sich zusammen.
Dem Erzählten kommen solche Eingriffe selten zugute.
Die Fantastischen Vier
kennen das. In »Der Skrull ist unter uns!« (Williams 1974) setzt ihnen ein fieser Möpp aus dem All zu – der Super-Skrull, der seine Gestalt nach Belieben ändert. Um Ben Grimm alias das Ding aus dem Weg zu räumen, verwandelt er sich in einen Rammbock, und schwupps schmettert er Ben in hohem Bogen Richtung Chrysler Building (»Ugh!!«). Zumindest im US-Original. In der Williams-Ausgabe verwandelt sich der Super-Skrull in einen Rammbock, und schwupps taucht er als Doppelgänger der menschlichen Fackel auf. Ein fliegender Ben, der (»Ugh!!«) ans Chrysler Building kracht? Fehlanzeige.
Handlungslöcher nimmt Williams in Kauf. Zweitstorys wie den Dämon (in den Fantastischen Vier) und den Silberstürmer (in Thor) trifft es, aber auch Hauptdarsteller wie die Spinne und den Hulk. Der Grund hat 32 Seiten – den vorgegebenen Heftumfang. Dem haben sich die Helden in den Anfängen unterzuordnen.
Ähnlich handhabt das Ehapa. Dort hat der Grund 48 Seiten – Standardumfang eines Albums. Etwa in der
Krieg der Sterne-Serie der Stuttgarter (1979-84, unter dem Titel
Star Wars
weiter bis 1986). In ein Ehapa-Album passen zwei Episoden der Marvel-Vorlage.
Wenn man sie da und dort stutzt. Also heißt es: stutzen. Den Kampf mit Meeresdrachen auf einer fernen Wasserwelt zum Beispiel
(Krieg der Sterne 3) oder die Turtelei von Friedensbringer Aron und Gattin Alisande auf Shiva IV
(Krieg der Sterne 14,
siehe auch
Blogbeitrag »Darf ich bitten?«)
Unmut löst das damals nicht aus. Es gibt kein Internet, die wenigsten Leser wissen, was die Verlage treiben. Heute lässt sich vieles mit ein paar Klicks einsehen. Die verunglückte Bastei/Corben-Liaison etwa ist auf Muuta.net dokumentiert. Williams-Kürzungen sind im BSV-Archiv festgehalten. Und Ehapas Rumdoktern an
Krieg der Sterne? Lässt sich bei uns besichtigen.
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Richard Corben und Bastei auf muuta.net
Williams-Superhelden im bsv-Archiv
Williams-Superhelden bei blaufarn
Ehapas Krieg der Sterne bei blaufarn








































