blaufarn • 4. September 2026

Uiuiui (1) •  Lifestyle im Römischen Reich

Imperium Nudorum
Zu Caesars Zeiten hießen Franzosen noch Gallier. Teen Alix ist einer, ohne Bart, ohne Zöpfe, ohne Zaubertrank und ohne Hose. Adoptiert von einem wohlhabenden Römer, ist der einstige Sklavenjunge in geheimer Mission für Julius Caesar und andere Konsuln unterwegs, oder er reist aufs Geratewohl in der Antike rum. Stets an seiner Seite: Knirps Enak. Auch im Schlafgemach.

Die Abenteuer des jungen Alix zählen zu Europas langlebigsten Comicserien. Ihr Schöpfer Jacques Martin (1921-2010) veröffentlichte die ersten Seiten 1948 in der Zeitschrift Tintin. In Szene gesetzt von mehr als einem halben Dutzend Künstlern, erscheinen Alix’ Erlebnisse bis heute. Das letzte Album, das Martin selbst zeichnete, ist Band 19 »Das Trojanische Pferd« (1988). Als Autor wirkte er noch bis Band 29 mit: »Das Testament Cäsars« (2010). 

Kritiker loben die Darstellung antiker Schauplätze. Marktszenen, Bauten, das Interieur – ein detailverliebter Blick auf den Alltag anno dazumal, reich an historischen Erläuterungen.

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Die Abenteuer des jungen Alix zählen zu Europas langlebigsten Comicserien. Ihr Schöpfer Jacques Martin (1921-2010) veröffentlichte die ersten Seiten 1948 in der Zeitschrift Tintin. In Szene gesetzt von mehr als einem halben Dutzend Künstlern, erscheinen Alix’ Erlebnisse bis heute. Das letzte Album, das Martin selbst zeichnete, ist Band 19 »Das Trojanische Pferd« (1988). Als Autor wirkte er noch bis Band 29 mit: »Das Testament Cäsars« (2010). 

Kritiker loben die Darstellung antiker Schauplätze. Marktszenen, Bauten, das Interieur – ein detailverliebter Blick auf den Alltag anno dazumal, reich an historischen Erläuterungen.

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Schauplätze der Antike Athen (ganz oben), die römische Siedlung Apollonia an der nordafrikanischen Küste (Mitte), Karthago (darunter).

Schauplätze der Antike  Athen (oben), die römische Siedlung Apollonia an der nordafrikanischen Küste (links darunter), Karthago (rechts).

Nudus, nudior, nudissimus
Unausgesprochen blieb lange Zeit das Verhältnis von Alix und Enak. In Band 2 »Die goldene Sphinx« (1956) begegnen sich der blonde Wahlrömer und der nahtlos braune Pimpf aus Ägypten erstmals. Alix ist da fünfzehn Jahre alt, Enak elf oder zwölf.* Fortan sind die beiden unzertrennlich. Latente Homosexualität erkannte 1985 Carlsen-Lektor Andreas C. Knigge. Unter uns: Sooo latent issie sie nicht.

Unbekleidet stehen die Jungen Modell für eine Statue, sie treiben nackt Sport (gab ja keine Turnhosen damals), gehen zusammen nackt baden (gab ja keine Badehosen damals) und teilen sich das Nachtlager, meist luftig im Schritt (gab ja keine Pyjamas damals). 

Raus aus den Klamotten  Erst stehen Alix und Enak Modell für eine Statue, dann gehen sie in die Heia. 1978 gewann das Album in Angoulême den Preis als bestes realistisches Comic.

Knaben und ihre Knüppelchen  Ausgesetzt auf einer Insel, genießen die Jungs ihre Zweisamkeit. Bis dieses Wesen auftaucht. Dieses... Mädchen.

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Fesselspiele und Partnerlook  Alix und Enak undercover in Athen. In Schwulenbars der 1970er hätte ihr Dress für Hochstimmung gesorgt.

Ob sich im Alix-Enak-Idyll »Jacques Martins Ängste vor dem weiblichen Geschlecht« spiegeln (Schnurrer/Knigge 1978)** – tja nun. Unverkennbar freilich ist ein Faible für (halb-) nackte Jungen. Warum auch nicht. In Illustrationen und Skizzen gestattete sich Martin, was in den Comics nur andeutungsweise zu sehen ist: seine halbwüchsigen Helden ohne Tunika und Lendenschurz, nudissimi von Kopf bis Fuß, von vorn, von hinten, im Profil. Seid gegrüßt, Pimmelix und Pimmelinchen, salvete et salutem.

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Die nackte Wahrheit  Jacques Martins »Scènes de la vie antique« (Alain Littaye Éditions 1983). Das limitierte Portfolio umfasst mehr als zwanzig überwiegend farbige Illustrationen.

Griechisch-römischer Stil
In den Achtzigern entdeckten französische Schwulenmagazine wie
Le Gai Pied Alix und Enak für sich. Jacques Martin hatte nichts gegen diese Lesart. War aber keine Absicht, ließ er wissen. Sein Duo stehe eher für die klassische Paarung aus Erastes und Eromenos, aus Knabenfan und pubertärem Frischling. Sex schloss das im antiken Verständnis nicht aus.

»Gut möglich, dass die Beziehung zwischen Alix und Enak mitunter sehr zärtlich ist«, erklärte Jacques Martin im Sachbuch Avec Alix (Casterman 2002). »Die Sitten jener Zeit ließen das zu, es war durchaus üblich und allgemein akzeptiert.«

Griechisch-römischer Stil
In den Achtzigern entdeckten französische Schwulenmagazine wie
Le Gai Pied Alix und Enak für sich. Jacques Martin hatte nichts gegen diese Lesart. War aber keine Absicht, ließ er wissen. Sein Duo stehe eher für die klassische Paarung aus Erastes und Eromenos, aus Knabenfan und pubertärem Frischling. Sex schloss das im antiken Verständnis nicht aus.

»Gut möglich, dass die Beziehung zwischen Alix und Enak mitunter sehr zärtlich ist«, erklärte Jacques Martin im Sachbuch Avec Alix (Casterman 2002). »Die Sitten jener Zeit ließen das zu, es war durchaus üblich und allgemein akzeptiert.«

Heute feiern Blogs und Foren die beiden Jungs als schwule Vorreiter. Wenn die wüssten... 2023 erschien in einer Tintin-Sonderausgabe eine brandneue Kurzgeschichte. Alix in der Koje. Mit einer Frau.

* vgl. »Alix, l’esclave devenu sénateur« auf Lhistoire.fr
** Achim Schnurrer, Andreas C. Knigge: »Bilderfrauen – Frauenbilder«, Becker & Knigge 1978, S. 30





***


Alix

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»Skandal!«
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Helden ohne Hosen

»Alix, l’esclave devenu sénateur«

auf Lhistoire.fr


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