Beim Draufgucken • Verunglückte Cover
Ojemine
Titelbilder sind Blickfänger. Sie wecken Neugier und flüstern »Kauf mich« (oder grölen es). Im Shopregal heben sie sich von der Konkurrenz ab, sie zeigen die Handschrift des Zeichners und geben einen Vorgeschmack auf die Geschichte, auf Genre und Handlung. Titelbilder locken und betören, im besten Fall unwiderstehlich. Es sei denn, sie gehen in die Hose.
Selbst Großmeister des europäischen Comics sind davor nicht gefeit. Hermann Huppen zum Beispiel. Der Belgier, Jahrgang 1938, geht stramm auf die Neunzig zu. Ein Ausnahmezeichner (Andy Morgan, Comanche, Jeremiah). Die Perspektiven, die plastische Tiefe der Umgebung, die Dynamik der Figuren suchen ihresgleichen. Cover kann er auch.
Im Endzeitwestern Jeremiah aber sind manche Titelbilder trostloser als die Postapokalypse, durch die Jerry und Kumpel Kurdy stapfen. Hingeächzt und weggehustet. Vielleicht hatte Hermann gerade keinen Bock oder was anderes vor.
Dem Kollegen Julio Ribera (1927-2018) ging es wohl ähnlich. Sein Hauptwerk gehörte in Deutschland lange zu den unterschätzten SF-Serien. Die Vagabunden der Unendlichkeit sprühen und sprudeln vor Ideen. Und sind glänzend gezeichnet.
Doch auf dem Titel sprüht meist nichts und sprudelt wenig. Durchs Bild weht oft nur ein müdes »Ist doch wurscht jetzt.«
Wie kommt*s?
Durchhänger. Abgeschlaffter Kreativmuskel. Die Inspirationsdrüse: leer. Das kann schon mal passieren, wenn man monatelang, nächtelang am Album feilt und endlich »Fin« darunterschreibt. Puh, geschafft, c'est ça. Die Titelzeichnung ist dann wie Nachsitzen. Und verströmt genau diese Aura.
Puh.
Sehen wir es mal so: Auch flaue Motive fallen auf und prägen sich ein. Verschreckt das Leser nicht, stoßen sie im Innern auf etwas, das die Titelbilder nicht vermuten lassen: die hohe Schule des Zeichnens.
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