Im Netz (1) • Untiefen deutscher Übersetzungen
Lost in Bonnhalla
Lang ist's her, da suchten Siggi und Babarras die hiesige Comicgemeinde heim. Siggi? Richtig, der listige Germane und sein dicker Freund (»Wer ist hier dick?«), der als Kind in den Zaubertrank des Hexenmeisters Konradin fiel. Sie kommen aus einer Fliehburg am Rhein, dem Dörfchen Bonnhalla, und sie kämpfen unermüdlich gegen Widersacher wie die Ostgoten aus Dunkelgermanien.
Asterix und Obelix Als Siggi und Babarras schlagen sie sich bei Kauka mit sächselnden Germanen aus dem Osten herum (im französischen Original Band 3 »Astérix et les Goths«).
Tatsächlich erlebten Asterix und Obelix ihre Deutschlandpremiere genau so, als Siggi und Babarras. 1965 war das, im Comicmagazin Lupo (später Lupo modern, Kauka-Verlag). Statt die Serie ins Deutsche zu übertragen, schrieb der Verlag sie um: Asterix und Obelix als rechtsnationaler Gesinnungsporno. Die ersten vier Alben verhunzte Kauka auf diese Art: »Siggi der Unverwüstliche« (»Asterix der Gallier«), »Siggi und die goldene Sichel« (»Die goldene Sichel«), »Siggi und die Ostgoten« (»Asterix und die Goten«) und »Kampf um Rom« (»Asterix als Gladiator«). Hier findet sich dazu ein lesenswerter Artikel.
So rüde vergriff man sich nicht an allen Comics. Aber behutsam war der Umgang damals nicht wirklich. Aus Gaston machte Lupo modern Jo-Jo, aus Michel Tanguy und Ernest Laverdure von der französischen Luftwaffe wurden die deutschen Jagdflieger Rolf Randers und Miki Kabel.
Die frühen Serientitel sind heute meist in Vergessenheit geraten, gottlob. Gilt auch für Bernhard Prinz, einen ehemaligen Interpolagenten, der auf seiner Yacht über die Weltmeere schippert. Sein Debüt feierte er 1969 gleichfalls in Lupo modern, diesmal war der Titel nur sachte eingedeutscht. Durchgesetzt aber hat sich die Serie hierzulande unter dem Namen, den sie später in Zack erhielt. Der erinnert zwar wie Siggi, Jo-Jo und Co. in nichts ans Original, aber mal ehrlich: Andy Morgan klingt doch mehr nach Abenteuer und fernen Ländern als Bernard Prince.
Andy Morgan heißt im Original weder Andy noch Morgan, sondern Bernard Prince, und sein Mündel Ali heißt in Wahrheit Djinn.
Glanz und Elend der Übersetzungskunst. Heute gehen Verlage unseres Wissens nicht mehr so unbekümmert wie anno dazumal vor. Und schon gar nicht so unverfroren.
***






























