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blaufarn • 2. Juli 2021

Untiefen deutscher Übersetzungen

Lost in Bonhalla

Lang ist's her, da suchten Siggi und Babarras die hiesige Comicgemeinde heim. Siggi? Richtig, der listige Germane und sein dicker Freund (»Wer ist hier dick?«), der als Kind in den Zaubertrank des Druiden Konradin fiel. Sie kommen aus einer Fliehburg am Rhein, dem Dörfchen Bonnhalla, und sie kämpfen unermüdlich gegen Widersacher wie die Ostgoten aus Dunkelgermanien.

Tatsächlich erlebten Asterix und Obelix ihre Deutschlandpremiere genau so, als Siggi und Babarras. 1965 war das, im Comicmagazin Lupo (später Lupo modern, Kauka-Verlag). Statt die Serie ins Deutsche zu übertragen, schrieb der Verlag sie um: Asterix und Obelix als rechtsnationaler Gesinnungsporno. Hier findet sich dazu ein lesenswerter Artikel.

So rüde vergriff man sich nicht an allen Comics. Aber behutsam war der Umgang damals nicht wirklich. Aus Gaston machte Lupo modern Jo-Jo, aus Michel Tanguy und Ernest Laverdure von der französischen Luftwaffe wurden die deutschen Jagdflieger Rolf Randers und Miki Kabel.

Die frühen Serientitel sind heute meist in Vergessenheit geraten, gottlob. Gilt auch für Bernhard Prinz, einen ehemaligen Interpolagenten, der auf seiner Yacht über die Weltmeere schippert. Sein Debüt feierte er 1969 gleichfalls in Lupo modern, diesmal war der Titel nur sachte eingedeutscht. Durchgesetzt aber hat sich die Serie hierzulande unter dem Namen, den sie später in Zack erhielt. Der erinnert zwar wie Siggi, Jo-Jo und Co. in nichts ans Original, aber mal ehrlich: Andy Morgan klingt doch mehr nach Abenteuer und fernen Ländern als Bernard Prince.

Glanz und Elend der Übersetzungskunst. Heute gehen Verlage nicht mehr so unbekümmert wie anno dazumal vor. Und schon gar nicht so unverfroren.



  Andy Morgan bei blaufarn


© Künstler und Verlage | Cover, Leseproben, Bildzitate

© blaufarn | Website, Illustrationen, Texte

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